Mit Stiftungen Wirkung erzielen – Impressionen vom Stifterfrühstück in Ulm
Frau PillCaritas
Bei der Gründung ihrer Stiftung waren Dr. Irene Pill und ihr Mann Dr. Bernd Mayer voller Zweifel: Können wir es wagen, eine Stiftung zu gründen, ohne eine große Summe einbringen zu können? Lässt sich damit überhaupt etwas bewegen? Übernehmen wir uns damit nicht? Jetzt, nach über zehn Jahren Stiftungsarbeit, zieht Irene Pill beim dritten Ulmer Stiftungsfrühstück ein sehr positives Fazit: Es ist gelungen, mit der Stiftung auf dem Fundament von Lebenswerk Zukunft viele Projekte in Gang zu setzen. Inzwischen ist sie eine gefragte Ansprechpartnerin in Fragen der interkulturellen Kulturarbeit.
Dr. Irene Pill berichtete über ihre Strategie, mit einer kleinen Stiftung große Wirkungen zu erzielen ohne über große Zinserträge zu verfügen. Da sie und ihr Mann im Kulturbereich arbeiten, haben sie sich im ersten Schritt dafür entschieden, dass sich die Stiftung im Bereich der Kultur engagieren soll. Um eine nachhaltige Wirkung zu erzielen und ein wichtiges Thema zu bearbeiten, wurde der Schwerpunkt auf die Förderung der interkulturellen Kulturarbeit für Kinder gelegt.
Der große Erfolg wurde auch durch eine offensive Medienarbeit ermöglicht. Ein guter Anlass dafür war die Auslobung des mit 1.000 Euro dotierten Preises für Projekte und Einrichtungen der interkulturellen Kulturarbeit, der seit zehn Jahren verliehen wird. Er verhilft den Projekten zu einer besseren Wahrnehmung und Anerkennung und zu einer zusätzlichen finanziellen Unterstützung.
Das zweite Schwerpunktprojekt ist die Finanzierung von interkulturellen Bücherboxen. Einrichtungen wie Kindertagesstätten, Schulen oder Freizeiteinrichtungen bekommen auf sie zugeschnittene und handverlesene Kisten mit Kinderbüchern, die sehr gut angenommen werden. Kinder können sich darüber über verschiedene kulturelle Vorstellungen und Hintergründe austauschen und werden neugierig auf andere Lebenswelten.
Da die Stiftung solche Projekte nicht aus ihren Zinserträgen finanzieren kann, kooperiert sie mit vielen anderen Organisationen oder von Einzelpersonen. Sie es Rotary-Clubs, Privatpersonen mit Anlassspenden oder auch direkte Zuwendungen ohne vorherigen Kontakt. Es hat sich herumgesprochen, dass die Stiftung gute und sinnvolle Arbeit macht, so dass immer wieder Spenden eingehen.
Herr PfaffCaritas
Mit Immobilien Wirkungen erzielen - das Beispiel der Hoenes-Stiftung aus Burgriedenim zweiten Impuls des Ulmer Stiftungsfrühstücks beleuchtete Josef Pfaff, welche Chancen, aber auch, welche Risiken Stiftungen haben, wenn sie über Immobilienbesitz verfügen. Er ist Vorsitzender des Stiftungsrates der Hoenes Stiftung, die das Museum Villa Rot in Rot bei Laupheim betreibt. Um den Museumsbetrieb aufrecht erhalten zu können, braucht die Stiftung kontinuierlich Mittel. Dies unterscheidet sie von einer Förderstiftung, die die Unterstützung von Projekten aussetzen oder reduzieren kann.
Auch deshalb ist die Hoenes Stiftung froh, dass ihr Immobilien in München übertragen wurden. Daraus generiert sie Mieteinnahmen, mit denen sie kontinuierlich arbeiten kann. So ist die Hoenes Stiftung unabhängig von Zinsschwankungen und konnte auch in Jahren mit extrem niedrigem Zinsniveau weiterarbeiten.
Herr Pfaff erläuterte aber auch, dass die Betreuung und Verwaltung von Immobilien Zeit, Energie und Geld kosten. So sind neue Mieter/-innen zu finden, Reparaturen zu organisieren und zu bezahlen oder Investitionen zu tätigen. Deshalb ist es von zentraler Bedeutung, dass es Personen gibt, die sich für das Management der Immobilien verantwortlich zeichnen und zugleich müssen immer Rücklagen gebildet werden um auch größere Investitionen wie einen Anbau, die Reparatur der Heizung etc. vornehmen zu können.
Das Fazit von Herrn Pfaff über die Möglichkeiten der Arbeit mit Immobilien durch Stiftungen fiel aber sehr positiv aus: Mit Immobilien können Stiftungen in der Regel dauerhafte und vergleichsweise hohe Erträge erwirtschaften. Darüber hinaus steigen Immobilien im Laufe der Zeit eher im Wert und trotzen damit auch einer hohen Inflation, die Geldvermögen kleiner werden lässt, vor allem in Zeiten wie aktuell.
Hintergrundinformation: Das Ulmer Stiftungsfrühstück ist eine Veranstaltung für Stifterinnen und Stifter, Engagierten in Stiftungen sowie Mitarbeiter/-innen aus Steuer- sowie Rechtsanwaltskanzleien oder Notariaten. Es wird veranstaltet von Lebenswerk Zukunft, der Caritas Ulm-Alb-Donau, der Volksbank-Stiftung und der Stiftung der Firma Seeberger aus Ulm.